P. Herbert Wottawah OSB

Pater Herbert (Erich) Wottawah wurde 1941 in Seiffen im Sudetenland geboren. Der Vater kehrte nicht aus dem Krieg heim. Die Familie musste infolge des Zweiten Weltkriegs die Heimat verlassen und kam schließlich nach Wellheim bei Eichstätt. Dort besuchte er die Volksschule. 1952 wechselte Erich auf Anregung von Pater Wolfram Gampl OSB an das Humanistische Gymnasium von St. Ottilien.

Kirchlicher Werdegang

Erich Wottawah trat 1961 in St. Ottilien ein, wurde 1968 zum Priester geweiht und feierte seine Primiz – wie sein Bruder Gernot – ebenfalls in Wellheim. Zuvor promovierte Herbert in Rom zum Doktor der Philosophie. 1972 wurde er in die Mission nach Korea ausgesandt. In Seoul kam er am 16. Oktober 1972 an, genau einen Tag bevor die berüchtigte Yushin-Verfassung in Kraft trat, die ins Leben gerufen wurde, um die Diktatur von Präsident Park Chun-hee zu verlängern. Damit war der Rahmen abgesteckt, in dem sich die zukünftige Tätigkeit des Missionars abspielen sollte.

Enge Verbindung mit der koreanischen Menschenrechtsbewegung

Nachdem Wottawah die Sprache erlernt hatte und einige Jahre als Kaplan tätig gewesen war, begann er am Theologischen Institut für Ordensleute in Taegu, dem er seit 1985 als Direktor vorstand, Philosophie zu lehren. 1979 wurde er Pfarrer in Indong und im gleichen Jahr Leiter des Arbeiter(innen)-Zentrums in Kumi. Damit begann eine Tätigkeit, die mehr und mehr zum Schwerpunkt seiner Arbeit werden sollte. Bei diesem Dienst für die unterprivilegierten Arbeiter scheute Pater Herbert vor Konflikten nicht zurück. Wenn es notwendig war, prozessierte er für sie und half ihnen, sich in Gewerkschaften zu organisieren. Er gab eine Zeitschrift heraus und veröffentlichte zahlreiche Bücher. Er versteckte politisch Verfolgte bei sich, besuchte zu Unrecht Verurteilte in den Gefängnissen und kümmerte sich um ihre Angehörigen. Als er seinen 60. Geburtstag feierte, waren unter den Gratulanten mehrere zum Tode Verurteilte, die dann begnadigt worden waren. 1975 trat Wottawah der Organisation Amnesty International Korea bei und war elf Jahre lang ihr Leiter. Seit 1986 an der Parkinsonschen Krankheit leidend, war sein Aktionsradius mehr und mehr eingeschränkt: obwohl er mit der Hand nicht mehr schreiben und den Computer nur mühevoll bedienen konnte, wurde nach seinem Tod in seiner Schreibtischschublade ein fast fertiges neues Buch gefunden, ein kompaktes Lexikon zu Begriffen aus der Arbeitswelt; ferner hatte er noch in diesem Jahr im Rahmen des Arbeiterzentrums mit dem Aufbau einer Abteilung begonnen, die sich besonders des Themas Wirtschaftsethik annehmen soll – ein Bereich, der in Korea noch stark unterentwickelt ist.

Beisetzung in St. Ottilien

Das Requiem in der Erzabtei St. Ottilien mit anschließender Beerdigung auf dem Klosterfriedhof fand am 4. September statt. Ebenfalls an diesem Tag wurde im Filmsaal beim Klosterladen eine 30minütige ZDF-Dokumentation über das Lebenswerk von P. Herbert aus dem Jahr 1999 gezeigt. Seine Heimatpfarrei gedachte P. Herbert bei einem Auferstehungsgottesdienst im Septmber.