Ruinenkirche Zu unsrer lieben Frau vom Spindeltal

Ruinenkirche „Zu unserer lieben Frau im Spindeltal“

„Jetzt kommt Maria, meine Muttergottes. Oh, ist die schön! Und jetzt nimmt sie mich bei den Händen.“ Dies sollen die letzten Worte des Zimmermanns Xaver Hiermeyer auf dem Sterbebett 1944 gewesen sein. Er hatte, arbeitslos im Frühwinter 1931, die Madonna vom Spindeltal ausgegraben, die dort fast 400 Jahre lang mehr als zwei Meter unter den Resten der Ruinenkirche verborgen blieb.

Graf Helfenstein auf Wellheim hatte die Spindeltalkirche in den Jahren 1477/78 mit den Almosen christlicher Pilger zu Ehren der seligen Jungfrau Maria erbauen lassen. Der Graf ließ auch eine Statue Mariens, aus Ellinger Sandstein gehauen, in der Kirche aufstellen, die bald viele fromme Pilger zum Spindeltal hinzog. Zahlreiche Gebeterhörungen wurden berichtet und es pilgerten in einer Woche nicht weniger als 300 Gläubige zu diesem Gnadenort.

1542 trat Herzog Ottheinrich vom benachbarten Pfalz-Neuburg zum Protestantismus über und führte dadurch das Ende der Wallfahrt herbei. Das Dach der Kirche wurde abgetragen, die Kirchengeräte wurden entfernt, die Gemälde zerschlagen, die Mauern überließ man dem Verfall.

Nachdem im Mai 1727 der pfalzneuburgische Kastner von Graisbach bei einer Jagd nahe der Kirchenruine mit seinem Pferd schwer gestürzt war, den Sturz aber unversehrt überstanden hatte, war dies der Auslöser für den Wiederbeginn der Wallfahrt, die bereits ein Vierteljahr später erstaunliche Ausmaße angenommen hatte.

Durch aufkeimende Streitigkeiten über die Verwendung des Opfergeldes – man rückte sogar mit Waffengewalt heran – wurde die Kirche demoliert und dem Verfall preisgegeben.

Die zuständigen Ordinariate in Augsburg und in Eichstätt hatten sich mit diesem Fall zu beschäftigen. Auch sie konnten keine allseits befriedigende Lösung herbeiführen, sodass es 1781 schließlich zu dem unseligen Beschluss kam, die Kirche zu „demolieren“. Dieser Beschluss wurde in den folgenden Jahren ausgeführt. Danach verfiel die Kirche erneut, bis sie Ende der 80er Jahre durch die Bemühungen des damaligen Nachbarpfarrers in Ammerfeld aus ihrem Dornröschenschlaf gerissen wurde.

Gläubige Menschen aus nah und fern schlossen sich zusammen, gründeten den Förderverein „Freunde der Spindeltalkirche“. Sie sammelten Gelder für den Wiederaufbau, den sie tatkräftig voran trieben.

Die reichlich sprudelnden Einnahmen flossen allesamt in den Wiederaufbau der Spindeltalkirche, für die in letzter Zeit inzwischen sogar ein Kirchturm mit großer Glocke errichtet werden konnte.

Auch eine originalgetreue Nachbildung der Spindeltalmadonna steht wieder an ihrem angestammten Platz in der Wallfahrtskirche. Das Original hat in der Ensfelder Pfarrkirche ein neues Zuhause gefunden.

Nachdem die Ruine teilweise wieder aufgemauert und mit Fenstern, Türen und Bänken versehen war, konnte der damalige Eichstätter Bischof Dr. Walter Mixa im Oktober 1996 unter großer Anteilnahme der Bevölkerung die Wiedereinweihung vornehmen.

Die Spindeltalkirche ist heute eine beliebte Trauungskirche, von Mai bis Oktober sind zahlreiche Andachten, Motorradgottesdienste u. ä., die Menschen aus dem ganzen süddeutschen Raum anziehen. Wer in die Gegend kommt, versäume nicht, diese markant-liebliche Wallfahrtskirche zu besuchen. Die Ruhe des Tales und die fast mystische Stimmung des einfachen Raumes bei Kerzenlicht ergreifen die Wander- und Glaubensseele der zahlreichen Pilger.